Handwerk & Bau
Offertenportale oder eigene Anfragen für Handwerker?
Inhalt
So funktionieren Offertenportale
Auf Plattformen wie Renovero oder Ofri beschreiben Bauherren und Hausbesitzer ihr Projekt und erhalten kostenlos Offerten. Bezahlt wird das Modell von den Handwerksbetrieben: je nach Plattform über ein Abo, über Gebühren pro Kontakt oder Offerte oder über eine Kombination. Die Auftraggeberin entscheidet am Schluss selbst, welche Betriebe sie kontaktiert und welche Offerte sie annimmt.
Für dich heisst das: Eine Anfrage ist kein Auftrag, sondern die Chance, gegen mehrere Mitbewerber zu offerieren.
Portal und eigene Anfragen im Vergleich
| Offertenportal | Eigene Anfragen (Google Ads, Google-Profil) | |
|---|---|---|
| Start | Sofort, ohne Website | Website und Tracking nötig, erste Anfragen nach Tagen |
| Exklusivität | Mehrere Betriebe offerieren | Die Anfrage kommt nur zu dir |
| Preisdruck | Hoch, Vergleich ist eingebaut | Tiefer, der Kunde kennt deine Referenzen |
| Steuerung | Begrenzt auf die Kategorien des Portals | Du wählst Leistung, Region und Budget |
| Daten und Kontakte | Bleiben teilweise beim Portal | Gehören dir |
| Abhängigkeit | Hoch, Regeln und Preise bestimmt das Portal | Gering, du baust deine eigene Marke auf |
Rechne pro Auftrag, nicht pro Anfrage
Der häufigste Denkfehler: Portal-Anfragen wirken günstig, weil eine einzelne Anfrage wenig kostet. Entscheidend ist aber, was dich ein gewonnener Auftrag kostet, inklusive deiner Zeit für Besichtigung und Offerte.
Kosten pro Auftrag = (Portalkosten + Zeit für Offerten) ÷ gewonnene Aufträge
Ein Beispiel mit runden Zahlen: Zahlst du CHF 600 im Monat für ein Portal, schreibst 20 Offerten zu je 1,5 Stunden und gewinnst zwei Aufträge, kostet dich jeder Auftrag CHF 300 plus 15 Stunden Arbeitszeit. Bei einer eigenen Google-Ads-Anfrage ist die Gewinnquote oft höher, weil der Kunde dich gezielt ausgewählt hat. Vergleiche beide Kanäle mit deinen eigenen Zahlen über drei Monate.
Was du für eigene Anfragen brauchst
- Eine Website, die überzeugt: Leistungen, Region, Referenzbilder, Bewertungen und eine einfache Kontaktmöglichkeit. Am Handy muss der Anruf-Button sofort sichtbar sein.
- Ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil: Kostenlos und für lokale Suchen wie «Sanitär Uster» oft der grösste Hebel. Mehr dazu in der Checkliste.
- Google Ads auf deine besten Leistungen: Badsanierung, Küchenumbau, Wärmepumpe oder Solaranlage statt «Reparaturen aller Art». Nur in deinem Einzugsgebiet.
- Messung von Anrufen und Formularen: Nur so weisst du, welche Anzeige Aufträge bringt.
Die Strategie, die für die meisten funktioniert
- Portale behalten, solange sie sich rechnen, vor allem für kleinere Aufträge und ruhige Phasen.
- Eigene Anzeigen für die lukrativsten Aufträge aufbauen, mit einem Budget, das du kontrollierst.
- Nach Saison und Auslastung steuern: Bist du ausgebucht, pausierst du die Anzeigen. Bei einem Portal-Abo zahlst du weiter.
- Nach drei bis sechs Monaten vergleichen, was dich ein Auftrag in beiden Kanälen gekostet hat, und Budget verschieben.
Eigene Anfragen statt geteilter Leads
Ich richte Google Ads für Handwerksbetriebe ein, nur in deinem Einzugsgebiet und gesteuert nach Auftragswert. Monatlich kündbar.
Häufige Fragen
Sind Offertenportale schlecht für Handwerker?
Nein. Sie sind ein schneller Weg zu Anfragen, besonders beim Start oder für kleinere Aufträge. Problematisch wird es, wenn ein Betrieb ganz davon abhängt und nur noch über den Preis gewinnt.
Wie viel Budget brauche ich für eigene Google Ads als Handwerker?
In einer Region mit klaren Leistungen reicht oft ein Werbebudget ab etwa CHF 1'000 pro Monat. Bei hohen Auftragswerten genügt manchmal schon ein zusätzlicher Auftrag pro Monat, damit sich das rechnet.
Brauche ich eine neue Website für Google Ads?
Nicht unbedingt eine neue, aber eine gute Zielseite pro Leistung. Sie braucht Referenzen, Region, Bewertungen und eine einfache Kontaktmöglichkeit. Oft reicht es, bestehende Seiten gezielt zu verbessern.