B2B-Dienstleister

Neue Mandate für Treuhand und Kanzleien: LinkedIn oder Google?

Von Mauro Zoffoli · Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Inhalt
  1. Google Ads: Nachfrage abholen, die schon da ist
  2. LinkedIn Ads: Entscheider erreichen, bevor sie suchen
  3. Google und LinkedIn im Vergleich
  4. Werberegeln für Anwältinnen und Anwälte
  5. Messen bis zum Mandat
  6. Häufige Fragen

Google Ads: Nachfrage abholen, die schon da ist

Wer «Treuhänder Zürich KMU», «Buchhaltung auslagern» oder «Anwalt Arbeitsrecht Winterthur» sucht, hat einen konkreten Bedarf. Suchanzeigen erscheinen genau in diesem Moment. Das macht Google für B2B-Dienstleister zum naheliegenden Startkanal.

Die Herausforderung sind die Klickpreise. In Recht, Treuhand und Finanzen gehören sie zu den höchsten in der Schweiz, oft CHF 4 bis 15 und mehr. Umso wichtiger ist es, unpassende Suchen auszuschliessen:

  • Privatpersonen statt Firmen, wenn du nur Firmen betreust («Steuererklärung privat»)
  • Jobsuchende («Treuhand Stelle», «Lehre Kauffrau Treuhand»)
  • Selbermacher («Buchhaltung Vorlage gratis»)

Die Zielseite sollte zudem klar sagen, für wen du arbeitest, z. B. «für KMU mit 5 bis 50 Mitarbeitenden». Das filtert unpassende Anfragen, bevor sie entstehen.

LinkedIn Ads: Entscheider erreichen, bevor sie suchen

Auf LinkedIn kannst du Anzeigen nach Funktion (z. B. CFO, Geschäftsführung), Branche, Firmengrösse und Region ausspielen. Ideal, wenn deine Wunschkunden klar definiert sind und ein Mandat viel wert ist, etwa bei Unternehmensberatung, IT-Dienstleistungen oder spezialisierten Kanzleien.

Der Preis dafür: Klicks auf LinkedIn sind deutlich teurer als bei Meta und oft auch teurer als bei Google. Für Europa nennen Benchmarks typischerweise rund EUR 4 bis 5 pro Klick, für Entscheider in der Schweiz liegt der Wert eher darüber. Für einen aussagekräftigen Test plane ich mit einigen tausend Franken über mehrere Wochen.

Gut funktioniert LinkedIn mit einem echten Mehrwert statt «Kontaktieren Sie uns»: einer Checkliste zum Jahresabschluss, einem kurzen Leitfaden zu neuen Vorschriften oder einer Einladung zu einem Webinar. So sammelst du Kontakte, die du danach persönlich begleitest.

Google und LinkedIn im Vergleich

Google AdsLinkedIn Ads
ErreichtFirmen mit aktivem BedarfEntscheider nach Funktion und Firmengrösse
Kosten pro KlickHoch in Recht und FinanzenMeist noch höher
Zeit bis zur AnfrageKurzLänger, oft über mehrere Kontakte
Passt zuKlar gesuchten LeistungenHohem Mandatswert und klarer Zielgruppe
Typischer StartErster KanalErgänzung, wenn Google läuft

Werberegeln für Anwältinnen und Anwälte

Für Anwältinnen und Anwälte gilt Art. 12 Bst. d des Anwaltsgesetzes (BGFA): Werbung ist erlaubt, solange sie objektiv bleibt und dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit entspricht. Suchanzeigen, die sachlich über Rechtsgebiete, Erfahrung und Standort informieren, passen dazu. Unaufgeforderte, persönliche Direktwerbung ist dagegen heikel. Das Bundesgericht hat 2024 ein unaufgefordertes Werbeschreiben eines Anwalts an Mieter als unzulässig beurteilt.

Für Treuhand und Beratung gibt es keine vergleichbaren Standesregeln, die allgemeinen Regeln gegen unlauteren Wettbewerb gelten aber für alle.

Messen bis zum Mandat

Im B2B dauert es von der Anfrage bis zum Mandat oft Wochen. Wenn du nur Formulare zählst, optimiert Google auf viele, aber nicht auf gute Anfragen. So geht es besser:

  1. Erfasse jede Anfrage in deinem CRM oder in einer einfachen Liste, mit der Quelle.
  2. Markiere, welche Anfragen zu Erstgesprächen und welche zu Mandaten wurden.
  3. Spiele diese Ergebnisse als Offline-Conversions an Google Ads oder LinkedIn zurück.
  4. Optimiere die Gebote dann auf Mandate statt auf Formulare.

Schon nach wenigen Monaten siehst du, welche Suchbegriffe und Zielgruppen echte Mandate bringen und welche nur Fragen.

Mehr passende Anfragen von Firmenkunden

Ich richte Google Ads und LinkedIn Ads für Treuhand, Kanzleien, IT und Beratung ein und messe bis zum Mandat.

Häufige Fragen

Ist LinkedIn Ads für ein kleines Treuhandbüro sinnvoll?

Meist erst als zweiter Schritt. Für ein lokales Treuhandbüro bringen Google Ads und ein gutes Google-Profil in der Regel schneller passende Anfragen. LinkedIn lohnt sich, wenn ein Mandat viel wert ist und die Zielgruppe klar definiert ist.

Dürfen Anwälte in der Schweiz Google Ads schalten?

Ja. Nach Art. 12 Bst. d BGFA dürfen Anwältinnen und Anwälte werben, solange die Werbung objektiv bleibt und dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit entspricht. Sachliche Suchanzeigen erfüllen das in der Regel.

Wie verhindere ich unpassende Anfragen?

Mit ausschliessenden Suchbegriffen, einer klaren Zielgruppe auf der Landingpage und ein bis zwei Qualifizierungsfragen im Formular, z. B. nach Firmengrösse oder Branche.

Quellen